Gabriele Schoedel - Geigenunterricht / Bodilance
Gabriele Schoedel - Geigenunterricht / Bodilance

Unterrichtskonzept

Heterogenität:

Mein Unterricht stellt sich insofern methodisch auf die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse ein, dass ich unterschiedliche persönliche Voraussetzungen sowohl sozialer Art als auch auf den verschiedenen Wahrnehmungsebenen als auch im Bereich der elementaren Musikkenntnisse sanft aufzufangen versuche. Dies kann im Einzelunterricht wie auch im Gruppenunterricht geschehen. Je früher dies geschieht, desto besser für das Kind. Es geht natürlich auch im fortgeschrittenen Alter. Allerdings spielt dann möglicherweise schon die Schulumstellung von der Grundschule zum Gymnasium eine Rolle, bei einigen schon die Pubertät, bei anderen wiederum der Beruf, und vieles hat sich in ihrem Leben schon etabliert (auch gewisse Lebensanschauungen, Körperhaltungen und -anspannungen zählen dazu!), vieles aber auch abhängig vom Alter noch gar nicht. Ein Kind braucht zumeist die Hilfe von außen, auch oder gerade seitens der Eltern, damit das Vermitteln des Spiels eines Streichinstrumentes durch mich als Lehrerin auf fruchtbaren Boden fällt.

 

Zeit:

Für den Unterricht steht leider immer nur begrenzt Zeit für den Einzelnen zur Verfügung. Meist sieht man den Schüler nur einmal die Woche. Im Idealfall wäre ein Sehen des Kindes mindestens zweimal die Woche nötig, je nach Alter und Reife, um diesem regelmäßig Input (und Führung) zu geben, damit es zuhause mit dem Erlernten selbst umgehen kann, ohne sich in der Zwischenzeit auf einem Weg zu verirren und sich selbst zu blockieren. In Gruppen wäre ein mindestens dreimaliges Treffen besser, z.B. zweimal in der Gruppe, einmal im Einzelunterricht, um den Bedürfnissen des Einzelnen gerechter zu werden. Hier empfiehlt sich die Colourstrings-Methode besonders.

 

Üben:

Nicht jeder vermag zuhause regelmäßig und sinnvoll zu üben. Je jünger das Kind (vom Alter wie von der Reife her), desto schwieriger ist es für es. Man trainiert neue Muskeln, lenkt die Gehirntätigkeit in andere Bahnen, erweitert viele seiner Grenzen, wenn auch spielerisch. Das braucht eine gewisse Zeit und Regelmäßigkeit, um echte Fortschritte zu erzielen. Viele Kinder brauchen bei der Selbstorganisation – also beim Einräumen einer regelmäßigen Übezeit täglich, welche anfangs nicht lang zu sein braucht – stark die Hilfe der Eltern. Diese sollten viel Geduld und Verständnis mitbringen. Ohne diese Gegebenheiten gerät das Kind sonst schnell in eine negative Spirale. Das wirkt sich natürlich auch innerhalb eines Gruppenunterrichts auf den Gruppenfortschritt aus. Besonders viel Toleranz ist dann bei allen Teilnehmern vonnöten. Bei häufigerem Sehen der Kinder wäre dies klar zu vermeiden. Nur so funktioniert m.E. Gruppenunterricht wirklich. Dies ist jedoch nicht bei jedem möglich. Also biete ich auch Kompromisslösungen an: z.B. auf Wunsch nur vereinzelt zusätzlichen Einzelunterricht auf Freiwilligenbasis.

Siehe auch den Artikel von Katia Schönwitz: Üben – was ist das eigentlich?

 

Motivation:

Der Spaß stellt sich m.E. beim Erlernen des Instrumentes erst ein, wenn man Erfolge oder Ergebnisse sieht. Die Empfindung und Wahrnehmung von Ergebnissen sind immer subjektiv und relativ. Alle Kinder machen zumeist mehr oder weniger Fortschritte auf den unterschiedlichsten Ebenen. Wer diese jedoch nicht sieht oder sehen und wertschätzen kann – trotz Aufzeigens derer meinerseits –, gerät in einen Teufelskreis. Ebenso gerät in diese Negativ-Spirale, wer sich nicht regelmäßig mit dem Instrument beschäftigt. Der Körper muss sich an die neuen Haltungen und Bewegungen gewöhnen und braucht bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger Zeit dazu. Es ist wichtig, sich aufgrund der langen Zeit und der hierfür nötigen Geduld immer wieder das persönliche Ziel mit dem Instrument vor Augen zu halten. Dieses kann ein kurzfristiges (z.B. ein internes Vorspiel) sein, wichtiger noch wäre jedoch auch ein mittel- oder gar langfristiges Ziel (z.B. eine Orchestermitgliedschaft oder das Spielen eines bestimmten Stücks).

 

Methodenansatz:

Ich unterrichte von Anfang an fundierte Kenntnisse beim Streichinstrument. Dies bedeutet, dass alle möglichen Bewegungen von vornherein ausgeübt werden, um die Kinder nicht auf etwas zu fixieren und steif werden zu lassen. Alle Bewegungen sind von Anfang an grob- und feinmotorischer Art sowohl links als auch rechts und schließen den gesamten Körper mit ein. Heutzutage ist tendenziell zu beobachten, dass häufig selbst das Grobmotorische schon dem Kind schwerfällt! Insofern steht aufgrund veränderter Gesellschaftsverhältnisse, Lebensweisen und -anschauungen ein veränderter Lernansatz im Vordergrund im Vergleich zu früher. Ohne eine gewisse Körperbalance, die ich nötigenfalls mithilfe von Bodilance / Alexandertechnik wiederherzustellen suche, funktioniert die Feinmotorik überhaupt nicht. Deren Erlernen erfordert viel Geduld auf allen Seiten. Meiner Meinung nach kann jeder diese Basis erlernen, wenn man nur die nötige Geduld, Zeit und Ausdauer aufbringt. Ich halte nichts davon, gleich bekannte Stücke mit der sofortigen Koordination beider Körperseiten auf bekannte Weise zu verbinden (also sofortiges Streichen und Greifen zusammen). Die Koordination wird von Anfang an trainiert, aber schrittweise eingeführt, um unnötige Anspannungen und einen unökonomischen Umgang mit dem Körper zu vermeiden. Ich baue sehr auf das Körpergedächtnis, durch das nur schwer bzw. auf einem sehr langen Weg falsch Erlerntes wieder ausgemerzt werden kann. Manchmal erscheint einem Außenstehenden, dass jemand schnell lernt, sieht aber nicht, dass er später auf dem Instrument Mögliches mit unökonomischen Bewegungsabläufen blockiert, so dass er ggf. völlig umgestellt werden und wieder von Null beginnen muss (auch bekannt als das typische Umlernen bei einem neuen Lehrer). Dies soll hier möglichst von Anfang an vermieden werden. Wir spielen von Anfang an Stücke, am Ende begleitet von mir auf der Geige oder dem Klavier, basierend auf das Erlernen von Puls, Rhythmus, Tonhöhenerkennung, vereinfachter Notenschrift sowie Bewegungen wie das Linke-Hand-Pizzicato, Rechte-Hand-Pizzicato ohne linke Handgriffe, Streichen von leeren Saiten und Flageoletttönen. Man lernt von Anfang das Zusammenspiel mit anderen sowie das Vom-Blatt-Lesen (prima vista), was besonders im Orchester wichtig wird, sowie das Ausdrücken von Emotionen in der Musik.

 

Ziel:

Das Streichinstrument soll von meiner Seite her von Anfang an in all seiner Breite allumfassend kennengelernt werden, und dabei soll eine solide und fundierte Basis vermittelt werden für alle individuellen Wünsche in Bezug auf das Instrument. Sei es im Gruppen- oder im Einzelunterricht, anfangs geht es nicht darum, gleich auf ein Studium hin zu arbeiten. Dennoch soll jedem der Weg offen bleiben, später zu entscheiden, was er mit dem Instrument anfangen möchte. Von Anfang an ist es für den Schüler wichtig, sich Ziele zu setzen (s.o. bei „Motivation“). Ich gehe dann auf diese ein. Allerdings bin ich die falsche Lehrkraft, wenn es darum geht, nur einmal die Woche Spaß im Unterricht zu erfahren und selbst nichts für die Pflege des Instruments bzw. der Musik tun zu wollen.

In den ersten Jahren kristallisiert sich zumeist schon heraus, wer sich für das Instrument begeistert und wer nicht, wer also viel Zeit und Energie investieren will dafür und wer nicht, welche realistischen Ziele man ansteuern kann bzw. will. Je seltener man sich mit dem Instrument beschäftigt, desto langsamer kommt man natürlich dahin, sich selbst gesetzte Ziele zu erreichen.

 

Komplexität des Lernens:

Diese ist allein durch die komplexen Bewegungsabläufe beim Streichinstrument gegeben. Es ist m.E. vielleicht eines der schwierigsten Anfängerinstrumente, wenn nicht gar DAS schwierigste Anfängerinstrument überhaupt. Bei vermutlich keinem anderen Instrument spielen so viele verschiedene Ebenen beim Lernen eine Rolle, bevor man überhaupt einfachste einigermaßen schöne Töne erzeugen kann, ohne gleich den Körper extrem zu verbiegen. Das bewirkt, dass man z.B. bei einem Blasinstrument, der Gitarre oder dem Klavier schneller einen Erfolg sieht. Später relativiert sich dies auch, da die Bewegungen dort auf hohem Niveau auch komplexer werden. Ein echter Hochleistungssport wird dann auch z.B. das Schlagzeug, wenn auch immer noch grobmotorischer als das Spielen des Streichinstruments. Auch ein Sänger wird nicht weit kommen, wenn sein Körper aus der Balance ist. Feinmotorische Bewegungen können nur bei einem ausbalancierten Körper ausgeführt werden. Daher lenke ich mein Augenmerk von vornherein auch auf den gesamten Körper und arbeite viel auf, was ggf. noch beim Kind in der Entwicklung dazu fehlt. Hierzu zählen die verschiedenen Wahrnehmungsebenen, die beim Erlernen des Streichinstruments eine Rolle spielen: zum einen die Nahsinne: Oberflächen- und Tiefenwahrnehmung sowie kinästhetische und vestibuläre Wahrnehmung; zum zweiten die Fernsinne: auditive und visuelle Wahrnehmung; sowie zum dritten die Verbindung von Bewegung und Raum, also vom Bewegungsimpuls aus dem Körperinneren heraus über die Erweiterung des persönlichen Bewegungsraums bis hin zur Erkundung des Raums allein durch die Fernsinne. Hier sind heutzutage bereits erschreckend viele Defizite oder Blockaden bei den Kindern auszumachen. Und doch liegt mein offensichtliches Augenmerk nicht auf dem Defizitären, sondern immer noch auf den Stärken des Schülers, von denen dieser im Unterricht abgeholt wird. Gerade bei diesem Unterrichtsansatz braucht es die Unterstützung der Eltern besonders. Auf deren Feedback wie auch auf deren Mitarbeit zuhause (sozusagen als Assistenzlehrer) bin ich angewiesen, um das Kind möglicherweise nicht zu überfordern. Daher dürfen die Eltern auch gerne meinem Unterricht beiwohnen, bei kleinen Kindern SOLLTEN sie es sogar.

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